In einer aktuellen Anfragebeantwortung zum Thema des Transports (Abschiebung) von Flüchtlingen mit der C-130K „Hercules“ gibt das BMLVS relativ umfangreich Auskunft über die Zusammensetzung der Flugstundenkosten von Luftfahrzeugen des Bundesheeres:

Zu 6 bis 8 und 20:

Dem System der Vollkostenrechnung entsprechend umfassen die Flugstundenkosten die Nutzungskosten des Luftfahrzeuges, Nutzungskosten des Ersatzteillagers, Instandsetzungskosten, Werftkosten inklusive Personal für Instandsetzung und anteiligen Overhead. Diese Betrachtung ist hier allerdings nicht zielführend. Einerseits ist das Luftfahrzeug ohnehin für Ausbildungszwecke zu bewegen, um die Flugstunden für die Piloten sicherzustellen. Andererseits können derartige Flüge zur Außerlandesbringung ergänzend für militärische Zwecke (z.B. Versorgungsflüge) genützt werden. Zudem wird festgestellt, dass die Flugstundenkosten aus fixen und variablen Teilen bestehen. Durch eine Erhöhung der Flugstunden, wie dies bei der Nutzung der C-130 „Hercules“ für Abschiebemaßnahmen der Fall wäre, können die Kosten pro Flugstunde jedenfalls signifikant reduziert werden.

Eine umfassende Berechnung der Betriebskosten eines Systems war 2013 im Fall des „Eurofighter“ vom Rechnungshof eingefordert worden:

(3a) Der RH stellte nunmehr fest, dass das BMLVS die Ausgaben für den Betrieb des Systems Eurofighter nicht vollständig erfasst hatte. Die Berechnungen der Zentralstelle des BMLVS umfassten jene Sachausgaben, die budgetär der Zentralstelle und dem Materialstab Luft, einer nachgeordneten Dienststelle des BMLVS, zugeordnet waren. Ausgaben für Infrastruktur–Investitionen wurden gesondert erfasst. Personalausgaben blieben ebenso unberücksichtigt wie ein Teil der Sachausgaben, der dem Überwachungsgeschwader und der Fliegerwerft in Zeltweg budgetär zugeordnet war. Diese beiden Dienststellen führten zwar seit 2005 eine eigene Kosten– und Leistungsrechnung, der Eurofighter–spezifische Anteil wurde darin jedoch nicht gesondert ausgewiesen. Eine Zusammenführung der Daten mit jenen der Zentralstelle erfolgte nicht. Daher lag im BMLVS weiterhin keine umfassende Berechnung der Ausgaben für den Betrieb des Systems Eurofighter vor.

 

Die Entwicklung der Betriebsausgaben unterlag starken Schwankungen, weil sie von verschiedenen Faktoren beeinflusst war, wie z.B. Zulauf der Flugzeuge und der Ersatzteile, Flugstundenproduktion, Ablauf der Garantie– und Gewährleistungsfristen, Vorauszahlungen, Umsatzsteuerpflicht (ab 2011), Schwankungen bei Treibstoffpreisen sowie Zusatzkosten für die Modifikation des Visualisierungssystems für den Flugsimulator. Für die Folgejahre (2012 bis 2015) rechnete das BMLVS mit jährlichen Betriebsausgaben von rd. 59 Mio. EUR bis rd. 65 Mio. EUR. Bezogen auf die jeweils kumulierten Betriebsausgaben [kumulierte Durchschnittswerte über die Jahre 2007 bis 2011], kostete eine Eurofighter–Flugstunde durchschnittlich rd. 56.000 EUR (2010) bzw. rd. 63.000 EUR (2011). Bei den Betriebsausgaben waren laut BMLVS durchschnittlich rd. 81 % fixe Ausgaben (Standing Tasks), die unabhängig von den Flugstundenleistungen anfielen, während rd. 19 % variabel waren.

Die Betriebskosten setzen sich beim Luftraumüberwachungsflugzeug „Eurofighter“ aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Standing Tasks … Ausgaben für Einmalbeauftragungen aufgrund der In-Service-Support-Verträge über logistische Unterstützungsleistungen einschließlich Optionen
  • Discrete Tasks … Ausgaben für gesonderte Einzelbeauftragungen aufgrund der In-Service-Support-Verträge über logistische Unterstützungsleistungen
  • Treibstoff
  • sonstige Betriebsausgaben … handelsübliche Ersatzteile, Betriebsaufnahme, Aufsichtspersonal (Custodians), sonstige Betriebsausgaben

Berechnung der Flugstundenkosten international

Deutschland und die Schweiz

Auch in Deutschland und der Schweiz wurde in parlamentarischen Anfragebeantwortungen Auskunft über die Zusammensetzung der Flugstundenkosten bei der deutschen (für TORNADO IDS, TORNADO ECR und PHANTOM F-4F) bzw. der Schweizer Luftwaffe (für die F-5 „Tiger“) gegeben. Hier zeigt sich die fehlende Vergleichbarkeit, vor allem durch die Hereinnahme von Personalkosten bei der Kalkulation des BMLVS:

Tiger-Teilersatz. Leistungsfähigkeit der Luftwaffe (Beantwortet am 10. November 2010)

3. Wenn die Kosten der Milizbodenorganisation ausgeblendet werden und man davon ausgeht, dass die Infrastruktur im Wesentlichen dem F/A-18 angerechnet wird, belaufen sich die Betriebskosten auf Basis des aktuellen Flugstundenverbrauchs auf rund 45 Millionen Franken pro Jahr (Basis 2009). Diese Kosten setzen sich aus den nachfolgenden Positionen zusammen:

  • Betrieb und Bereitstellung der Flugzeuge, Instandsetzungs- und kleinere Instandhaltungsarbeiten durch Personal der Luftwaffe (rund 10 Prozent der Kosten);
  • Treibstoffaufwendungen für die Flugzeuge (rund 25 Prozent der Kosten);
  • industrielle Instandhaltung und komplexe Reparaturen (rund 65 Prozent der Kosten)
Abb. 2: F/A-18 "Hornet" der Schweizer Luftwaffe (© Swiss Department of Defence, Public Defence and Sport DDPS)

Abb. 2: F/A-18 „Hornet“ der Schweizer Luftwaffe (© Swiss Department of Defence, Public Defence and Sport DDPS)

 

Einschränkungen des Übungsbetriebes der Luftwaffe (Beantwortet am 23. Mai 2008)

Die Betriebskosten beinhalten die Kosten für die Materialerhaltung, die Betriebsstoffe, die Bundeswehrinstandsetzung und die Besatzung.

Die Gesamtkosten umfassen zusätzlich die kalkulatorischen Kosten für Abschreibung und Versorgungsleistungen des Personals.

Abb. : (Copyright Eurofighter - Geoffrey Lee, Planefocus Ltd)

Abb. 3: „Eurofighter“ des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ vor den Flugeinsatzboxen in Laage (Copyright Eurofighter – Geoffrey Lee, Planefocus Ltd)

Großbritannien

Im Jahr 2010 nannte der damalige britische Verteidigungsminister Peter Luff in einer schriftlichen Anfragebeantwortung vor dem House of Commons die Zusammensetzung der Flugstundenkosten der Royal Air Force; darunter fallen Wartungskosten, Treibstoff, Personal, äquivalente Annuität (berechnet sich aus Nettobarwert und Rentenbarwertfaktor; dient der Beurteilung der jährlichen Vorteilhaftigkeit einer Investition – sie ist vorteilhaft, wenn sie positiv ausfällt, unvorteilhaft, wenn sie negativ ausfällt, und weder vorteilhaft noch unvorteilhaft, wenn sie gleich 0 ist), Wertminderungen und Abschreibungen:

Peter Luff: […] The MOD calculates the full cost of aircraft per flying hour. The current rates for our fast jets are shown in the table. These figures include forward and depth servicing,  fuel costs, crew costs, cost of capital charge, depreciation and amortisation.

Abb. : Eurofighter der Royal Air Force (UK MOD Crown Copyright 2010)

Abb. 4: Eurofighter der No. 11 Squadron RAF (UK MOD Crown Copyright 2010)

Italien

Eine ähnliche Kalkulation wird in Italien vorgenommen. Eine Aussage von Dr. Enzo Casolini, dem Leiter der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, der dem Verteidigungsausschuss des italienischen Parlaments am 24. Oktober 2013 eine Studie vorlegte, belegt, dass die Aeronautica Militare per Gesetz dazu verpflichtet ist, die Beschaffungskosten für den „Eurofighter“ (Abschreibung von 5 % der Beschaffungskosten pro Jahr) den Kosten pro Flugstunde zuzuschlagen. Man kam deshalb von 20.000 EUR auf 60.000 – 65.000 EUR pro Flugstunde:

Quanto al supporto logistico, abbiamo fatto un calcolo del costo a ora di volo per l’Eurofighter, che ammonta a circa 20.000 euro. Questo costo è a scendere. Nel confronto che abbiamo avuto, a suo tempo, con l’Aeronautica militare ci siamo scontrati perché l’Aeronautica militare è obbligata per legge ad ammortizzare i costi di acquisizione nell’ora di volo.

In altri termini, l’ammortamento viene fatto in vent’anni, con il 5 per cento all’anno nelle ore di volo. Pertanto, loro avevano, oltre ai 20.000 euro che noi avevamo calcolato, anche una serie di ammortamenti che portava il costo a 60-65.000 euro a ora di volo. Stiamo parlando del costo reale del volo, senza considerare gli ammortamenti previsti dalla legge dello Stato.

Die Aeronautica Militare führt die Wartung beim „Eurofighter“ in einer Partnerschaft mit der Industrie durch. Alle 500 Flugstunden (früher: 400 Flugstunden) sind Wartungsereignisse vorgesehen.

Il Supporto

Da un analisi condotta di EF GmbH il costo per ora di volo, sulla scorta di alcune assuizioni e di un modello a blocchi, risulta essere di 14.500 €/FH. Qualora, per ragioni di armonizzazione, si tenessero in conto anche i costi esclusi per effeto delle assunzioni (essenzialmente quelli non ricorrenti di Sviluppo e Produzione), il relativo costo per ora di volo risulterebbe circa doppio del dato precedente.

Va peraltro evidenziato che sono in corso, su più fronti, attività volte a generare un trend di miglioramento con il fine di ridurre ed ottomizzare i costi con un target di 13,000 €/FH stimato raggiungibile nel 2016.

Die Berechnung der Herstellerfirma in der Studie ergab 14.500 EUR/Flugstunde (inkl. Entwicklungs- und Produktionskosten 29.000 EUR/Flugstunde). Welches Modell hinter dieser Berechnung stand, geht aus den Unterlagen nicht hervor (Es ist nur von einem „Blockmodell“ und „Annahmen“, konkret den nicht-wiederkehrenden Entwicklungs- und Produktionskosten, die Rede.). Durch eine Reihe von Optimierungen sollten durch den Hersteller die Kosten auf ca. 13.000 EUR/Flugstunde reduziert werden.

Abb.: Erster "Eurofighter" der Tranche 3 der Aeronautica Militare beim Werk von Finmeccanica in Caselle (Copyright Eurofighter)

Abb. 5: Erster „Eurofighter“ der Tranche 3 der Aeronautica Militare beim Werk von Finmeccanica in Caselle (Copyright Eurofighter)

Schweden

Die schwedischen Streitkräfte publizieren die Flugstundenproduktion der Hauptwaffensysteme ihrer Luftstreitkräfte in ihrem Jahresbericht (s.v. flygtimmar per flygplans- och helikoptertyp). Für 2015 werden für die JAS 39 insgesamt 11 287 Flugstunden (bei einem Bestand von 100 JAS 39C/D; 60 JAS 39C/D werden künftig zu JAS 39E/F modifiziert) angegeben.

Kosten pro Flugstunde werden dabei aber nicht bekanntgegeben. Im März 2014 wurde der Kommandant der Flygvapnet im Svenska Dagbladet mit der Aussage zitiert, eine Flugstunde mit der JAS 39C/D würde sich (inkl. Treibstoff) mit 48.000 SEK zu Buche schlagen. Das waren (nach dem Wechselkurs vom 24. März 2014) umgerechnet 5416 EUR.

Gemäß der Studie Behålla, uppgradera eller investera? (2009) des staatlichen schwedischen Totalförsvarets forskningsinstitut (FOI) setzen sich die durch das FMV berechneten Life Cycle Costs von Rüstungsgütern (auch Militärflugzeugen) aus folgenden Faktoren zusammen:

  • Technisches System (Investition)
  • Logistik
  • Infrastruktur
  • Modifikationen

Dabei werden z.B. Personalkosten nicht mit einbezogen.